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Rubrik: Campus Life
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Publiziert: 13.06.2007 06:00

Kunst am Institut für Integrative Biologie der ETH
Paradies und Gentechnologie

Im Lichthof des CHN-Gebäudes wird Gentechnologie zur Kunst. Ein Künstlerduo baut in Etappen eine Installation namens „Regrowing Eden“. Ziel ist es dabei, den gesellschaftlichen Diskurs zum Thema abzubilden.

Gabrielle Attinger

Der Lichthof des CHN-Gebäudes ist derzeit gelb geschmückt. Am 4. Juni hat das Künstlerduo Hina Strüver und Mätti Wüthrich in einer langen, kraftvollen Aktion gelbe Plastikstreifen auf drei übereinander gespannte Fadennetze verteilt. An Seilen hievten sie sich in die Höhe und warfen die gelben Plastikstreifen in allen Richtungen über die Netze. In einer zweiten Performance zogen sie das ganze Gebilde nun mit raffinierter Zugtechnik am 7. Juni in die Höhe Richtung Glasdach.

Die Installation ist Teil des Projekts „Regrowing Eden“, das Strüver und Wüthrich im Rahmen des Programms „Swiss Artists in Lab“ AIL durchführen. AIL ist eine Kooperation des Bundesamts für Kultur BAK, der Schweizer Hochschule für Gestaltung und Kunst HGKZ und des Instituts Cultural Studies ISC. Es ermöglicht jährlich vier Schweizer Kunstschaffenden einen Projektplatz in Schweizer Wissenschaftslabors. Ziel des Programms ist ein Know-How-Transfer zwischen Wissenschaft und Kunst. Neben der ETH Zürich sind dieses Jahr die Universität Zürich, das Paul Scherrer Institut und das Centre Suisse d’Electronique et de Microtéchnique CSEM in Alpnach Partner des Programms.

Thematische Vorgabe

Gastgeber des Duos Strüver/Wüthrich ist das Institut für Integrative Biologie. Die Dozentin Angelika Hilbeck hatte für das Programm nach 2005 bereits zum zweiten Mal einen Platz an ihrem Institut offeriert. Das Thema gab sie dabei vor: Künstlerisch abgebildet werden soll der gesellschaftliche Diskurs rund um die Thematik Gentechnologie. Dabei sollen verschiedene Anspruchsgruppen mit einbezogen werden.

Über 70 Künstler und Künstlerinnen haben sich um den Projektplatz an der ETH beworben. „Regrowing Eden“ gewann, weil das Konzept die beiden Projektleiterinnen, Prof. Dr. Jill Scott und Irène Hediger von der HGKZ, am meisten überzeugte. Das Projekt sieht vor, das Thema mit Installationen und Performances in drei Ländern künstlerisch zu reflektieren. Nach der Schweiz wird sich das Duo auch in Brasilien und Vietnam zur Gentechnologie künstlerisch betätigen. Als Kontakt dienen ihnen dabei die Gentechnik-Projekte des Instituts in diesen Ländern.

Zudem kreieren die beiden einen Garten Eden im virtuellen Raum: Auf der Website www.regrowingeden.ch haben sie einen Frageboden zur Gentochnologie platziert, den alle daran Interessierten ausfüllen können. Die verschiedenen Meinungen zur Gentechnologie werden nach dem Lindenmeyer-System durch bestimmte Zuweisungen der Antworten in Fraktale verwandelt und im Netz platziert. Über 120 solcher „Pflanzen“ sind da bereits zu sehen. Das Künstlerduo rechnet bis zum Ende seines Projekts im November mit rund 3000.


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Gelb für Gentech: Hina Strüver und Mätti Wüthrich bei der zweiten Performance im Lichthof des Gebäudes CHN. (Foto: Peter Rüegg) gross

Keine Greenhorns

Den Fragebogen erstellt haben die beiden mit Hilfe von Gentech-Experten aus der Wissenschaft, und zwar, wie sie betonen, mit Forschenden aus allen Bereichen und unterschiedlichen Anspruchsgruppen. Im Institut für Integrative Biologie haben sie zudem im März ein Praktikum absolviert, bei dem man lernt, gentechnische Veränderungen in Bakterien nachzuweisen. Stüver und Wüthrich waren allerdings bereits vorher mit der Materie vertraut: Wüthrich hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Seine Partnerin Hina Strüver, Absolventin der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, hatte ihn bereits begleitet, als er für seine Diplomarbeit für sechs Monate auf den Seychellen weilte.

Neu für die beiden ist dagegen die künstlerische Gleichberechtigung. Bei den bisherigen Projekten hatte jeweils einer dem anderen assistiert. Strüver half Wüthrich auf den Seychellen, Wüthrich bot auf Hawaii Strüver die Hand, als sie mit einem Stipendium die Suche nach der hawaiianischen Göttin Hina künstlerisch umsetzte. Mit „Regrowing Eden“ bot sich ihnen erstmals die Chance, zu gleichen Teilen an einem Projekt zu arbeiten, indem sie sich den Platz, der für eine Person ausgeschrieben war, teilen. Dadurch wären sie auch nicht gezwungen, sich für die Dauer des Projekts aus dem Alltag herauszureissen, erklärt Hina Strüver. Sie ist nebenberuflich als freischaffende Bildhauerin, Mätti Wüthrich arbeitet bei einer Umweltorganisation.

Am 11. Juni fand eine weitere Performance von „Regrowing Eden“ im CHN-Gebäude statt, bei der die Installation über das Glasdach hinaus wuchs. Die Finissage erfolgt am 19. Juni. Den Schlusspunkt des gesamten Projekts setzt – nach den Reisen nach Vietnam und Brasilien – eine Performance zum 20-Jahr-Jubiläum der Umweltnaturwissenschaften der ETH Zürich im November 2007. Sie findet wiederum im CHN-Gebäude statt.




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