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Rubrik: Campus Life

Informationstag zu Telefonie und Internet
Brücke zwischen Telefonie-Welten

Published: 13.07.2006 06:00
Modified: 12.07.2006 15:21
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Die klassische Telefonie und die Internet-Telefonie (VoIP) fliessen zusehends ineinander. Ein wichtiges Bindeglied zwischen diesen zwei Welten ist das E164 Number Mapping, kurz ENUM. Auch das Kommunikationstool "PolyPhone" an der ETH macht sich diese Technik zunutze. Die Vision, unter ein und derselben Nummer überall erreichbar zu sein, scheint greifbar nahe.



Roman Klingler (mailto:roman.klingler@sl.ethz.ch)

Skype gehört zu den jüngeren Erfolgsgeschichten des WWW und hat inzwischen die Hürde von 100 Millionen Benutzenden, welche die Software auf ihrem Computer installiert haben, locker übersprungen. Während VoIP-Anbieter wie Skype den Heimanwenderbereich im Sturm eroberten, ist die Entwicklung im Geschäftsbereich bisher eher zögerlich verlaufen. Zu gross waren anfänglich die Bedenken über mangelnde Sprachqualität und lückenhafte Verfügbarkeit der Dienstleistung. Mindestens was die Sprachqualität angeht, haben sich inzwischen die Zweifel dank grösserer Bandbreiten weitgehend zerstreut. Und so hat es sich auch bei KMU herumgesprochen, dass VoIP eine Ergänzung zur herkömmlichen Telefonie sein kann, um Kosten zu sparen und die Arbeit produktiver zu gestalten.

Bisher fehlte allerdings die Verbindung zwischen den beiden Telefonie-Welten. Selbst zwischen einzelnen VoIP-Systemen war oft eine Kommunikation aufgrund eigener (proprietärer) technischer Standards und Protokolle nicht möglich. Genau da setzt ENUM an. Einfach gesagt ist ENUM ein Verzeichnis, das Telefonnummern in die Schreibweise von Internetadressen übersetzt. ENUM nutzt dazu das seit Jahren etablierte Domain-Name-System (DNS). Die Quintessenz daraus: Anhand einer Telefonnummer lässt sich herausfinden, über welchen Kommunikationsdienst eine Person gerade errreichbar ist, sofern deren Kontaktdaten für Natel, Fax, E-Mail, VoIP, Website usw. in der ENUM-"Datenbank" eingetragen sind.

PolyPhone setzt auf ENUM

Der ENUM-Verzeichnisdienst bringt zwei Vorteile: der Anrufende kann im Idealfall eine ganz normale Festnetz-Nummer anwählen und unter Umgehung seiner Telefongesellschaft über das Internet gratis telefonieren. Der Angerufene kann seinerseits definieren, wohin der ankommende Anruf geleitet werden soll, respektive was passiert, wenn er den Anruf nicht annimmt. Eine der möglichen Spielarten mit webbasierten Diensten ist Voicemail, das auch das ETH-Projekt PolyPhone anbietet: Sprachnachrichten auf dem Anrufbeantworter werden per E-Mail an den Angerufenen geschickt.

Seit dem Startschuss zur Pilotphase Mitte Mai haben sich rund 1700 Studierende und ETH-Mitarbeitende bei PolyPhone registriert. Die zusammen mit einem Industriepartner entwickelte Kommunikationsplattform verpackt verschiedene Dienste wie Sprache (Telefonie), Bild, Kurzmitteilungen (Instant Messaging) sowie eine Präsenzliste in ein und derselben Applikation. Für die Pilotphase beschafften sich die Projektverantwortlichen einen Block von 10'000 neuen Telefonnummern beim zuständigen Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und registrierten gleichzeitig auch noch alle bestehenden ETH-Nummern bei ENUM. Damit hat VoIP an der ETH sozusagen auf Samtpfoten Einzug gehalten. Dazu Armin Brunner, Projektleiter von PolyPhone: "ENUM ist eine ideale Technologie für die Wegfindung (Peering) zwischen VoIP-Projekten, denn sie stellt sicher, dass ein Anruf wenn immer möglich via Internet transportiert wird und damit nicht unnötige Telefonie-Gebühren anfallen".

Der ENUM-Verzeichnisdienst ist so multifunktional wie ein Schweizer Sackmesser. Eine normale Rufnummer wird mit korrespondierenden Internet-Adressen abgeglichen (Bild: SWITCH).

Im Aufbau begriffen

ENUM soll unter der Ägide der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) zu einem weltumspannenden Verzeichnisdienst ausgebaut werden. Davon ist man allerdings noch weit entfernt, denn das System ist zurzeit erst in einigen Ländern in Betrieb; andere Länder – so z.B. die Schweiz – befinden sich in einer Testphase. Technisch ist das Verzeichnissystem zwar ausgereift und erprobt, aber noch sind administrative und regulatorische Fragen zu lösen, wie an einem Informationstag von SWITCH zum Thema ENUM zu erfahren war.

ENUM löst zwar das Problem des nahtlosen Übergangs von klassischen Sprachnetzen zu Datennetzen, "aber es wird erst als Gesamtpaket, zum Beispiel mit einem VoIP-Angebot, wirklich attraktiv", relativiert Bernhard Höneisen von SWITCH, der zuständigen Stelle für die Internet-Domänen .ch (Schweiz) und .li (Fürstentum Liechtenstein). Als Hemmnis für eine rasche Verbreitung erweist sich auch die Tatsache, dass die grossen Telefongesellschaften dem ENUM-Verzeichnis bislang die kalte Schulter zeigen. Aus Sicht von Swisscom & Co. ist dies durchaus nachvollziehbar, denn ein ENUM-Eintrag bedeutet meistens Telefonieren über das Internet, was wiederum heisst, dass die Telefongesellschaften keine Gebühren für den Zugang zum eigenen Netz berechnen können.


Testlauf bis Herbst 2007

Der Testbetrieb für die ENUM-Registrierung läuft in der Schweiz noch bis spätestens Herbst 2007 und wird von SWITCH koordiniert. Zurzeit sind rund 30'000 Schweizer Telefonnummern registriert und können demnach über VoIP errreicht werden. Registrieren kann man sich als Privatperson oder als Firma bei so genannten Registraren, welche die Validierung und den Eintrag im Verzeichnisdienst besorgen. Mehr zu ENUM unter: www.switch.ch/de/enum/


References:
Siehe dazu auch ETH-Life-Artikel "Ein Netz fürs Leben": www.ethlife.ethz.ch/articles/dossier/polyphone2.html


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