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Rubrik: Mittwochs-Kolumnen


ETH an die WM

Published: 21.06.2006 06:00
Modified: 16.06.2006 23:02
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Beat Louis

Ich muss gestehen: ich neige dazu, die Kolumne im ETH Life als Sorgenecke zu nutzen. Doch sagte R. aus W. zu mir: „Schreib auch mal etwas Positives über die ETH.“ Einverstanden – ein paar kritische Anmerkungen müssen allerdings erlaubt sein. So wird Gutes noch besser, in der Wissenschaft wie im Fussball...

Einen Steilpass für eine „positive Kolumne“ gab mir vor ein paar Tagen die Schulleitung mit der Ankündigung, das Rauchen in den Gebäuden ausnahmslos zu verbieten. Ich halte das für eine gute Nachricht für die Gesundheit aller ETH-Angehörigen. Die Chance muss allerdings auch konsequent genutzt werden, sonst wird aus dem Steilpass schnell ein Konter, wie das Beispiel SBB zeigt: Seit zwar alle Züge rauchfrei sind, nicht aber die Perrons, ist man gezwungen jedesmal eine regelrechte Todeszone zu durchqueren, um in den Zug zu gelangen. So etwas muss an der ETH unbedingt vermieden werden.

Das Tor rein gehalten hat die ETH bisher in Sachen Studiengebühren. Sie widerstand allen Sturmläufen aus Wirtschaft und Politik für höhere Gebühren. Eine tolle Leistung. 20'000 Franken oder mehr Stipendien-Schulden gehören nicht in den Rucksack von Absolventinnen und Absolventen. Sonst kommen statt der besten bald nur noch die finanzstärksten Studierenden. Und mit Geld kann man sich Meisterschaft nicht immer erkaufen – schon gar nicht eine Weltmeisterschaft.

Beat Louis, ETH-Geologe, Wissenschaftsautor und derzeit "ETH Life"-Kolumnist.

Grosse Freude habe ich ausserdem am Team. Die ETH zieht nicht nur Menschen aus vielen Ländern an, die meisten haben auch neben ihrem Fachwissen einiges zu bieten. So habe ich in meiner Zeit hier kennen gelernt: Den Chinesen X., der uns zusammen mit seiner Frau nach einer Wanderung auf dem Oberalp einen herrlichen Blütentee zubereitet hat. Oder A., der einst für die Junioren-Fussballnati kickte und nun neben seiner Diss Cello spielen lernt. P., die ausgebildete Sekretärin, die sich jetzt mit Stoffkreisläufen statt mit Rundschreiben befasst. Oder T., dessen Gedichtband sich so gut verkauft, dass er damit ordentlich Geld verdient. Mit dieser Aufstellung schlagen wir an einem guten Tag jedes andere Team. Hopp ETH!


Zum Autor

Sein wissenschaftliches Zuhause sind fünf Millionen Jahre Erdgeschichte. Der 30-jährige ETH-Geologe Beat Louis setzt demnächst den Schlusspunkt hinter seine Doktorarbeit über das „Oxfordian“, eine Epoche zwischen 160 bis 155 Millionen Jahren vor unserer Zeit (s. Link unten). „Diese Phase war ein faszinierender Wendepunkt für das System Erde“, sagt Louis. „Damals brach der Superkontinent Pangäa auseinander. Der Ozean, der zwischen den zwei neuen Erdteilen entstand, brachte mit seinen neuen Strömungsverhältnissen viel Bewegung in die Entwicklung von Klima, Tier- und Pflanzenwelt.“ Zwar nimmt der unruhige Planet Erde Beat Louis’ Forscherkompetenz voll in Anspruch, aber er hat noch weitere – etwa die des journalistisch geübten Vermittlers von Wissenschaft: Beim St. Galler Tagblatt hat er nach dem Studium ein Praktikum absolviert und liefert seither dem Blatt regelmässig Beiträge zu Forschungsthemen. Auch die ETH hat schon von seiner Lust, Forschung zugänglich zu machen, profitiert: Der Jubiläums-Comic „Die Alpen by Mike“, der 300 Millionen Jahre im Zeitraffer vorübersausen lässt, ist auf Beat Louis’ Anregung hin entstanden.


References:
Website von Beat Louis im Departement Erdwissenschaften der ETH: www.erdw.ethz.ch/wer_det.cfm?id_m=462&CFID=3449475&CFTOKEN=73891195


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