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Rubrik: News

Bauingenieure taufen ihre Kanus auf dem Zürichsee
Beton lernt schwimmen

Published: 01.06.2007 06:00
Modified: 31.05.2007 18:20
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Am vergangenen Dienstag haben die ETH Bauingenieure ihre neuen Betonkanus „Rageete“ und „Flüügegwicht“ im Strandbad Wollishofen getauft. Die beiden Boote des „Team HelvETHia“ sollen am 15. und 16. Juni auf dem Maschsee in Hannover bei der 11. Deutschen Betonkanu-Regatta die Schweiz vertreten.



Florian Wehrli

Für einen Laien mag es eigenartig klingen, dass ein Kanu aus Beton schwimmen soll. Doch was Archimedes von Syrakus der Legende nach vor mehr als 2000 Jahren in der Badewanne entdeckte, sollten nun die Bauingenieure der ETH ein weiteres Mal beweisen: Die Auftriebskraft eines Körpers in einem Medium entspricht der Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums. Als würden sie der Physik doch nicht ganz trauen, schauten die Konstrukteure gebannt zu, wie eines der Kanus zu Wasser gelassen wurde, und tatsächlich – es schwimmt.

Vom Regen zur Taufe

Trotz des regnerischen Wetters hatten sich rund 30 Personen im Strandbad Wollishofen zur Taufe eingefunden. Die Projektleiter Thomas Vogel und Kristian Schellenberg vom Institut für Baustatik und Konstruktion eröffneten die Taufe mit einer Ansprache zur Vergangenheit und Zukunft der Betonkanu-Regatta. Der Ruderer Reto Niedermann und die Kanutin Alexa Stähli, beide Studenten der ETH, vollzogen die obligate Sekttaufe.

Grosse Konkurrenz

Die Blicke des Teams HelvETHia sind im Moment vor allem auf die Regatta in Hannover gerichtet. Die ETH nimmt daran seit 1994 teil und gewann 2005 den Konstruktionspreis für das leichteste Kanu (1) . Es wog gerade einmal 49 Kilogramm. Dieses Jahr geht die ETH mit den beiden Kanus „Rageetä“ und „Flüügegwicht“ in Hannover an den Start. Natürlich will das Team um Kristian Schellenberg auch 2007 wieder vorne mit dabei sein. Die Konkurrenz ist gross, es werden über 60 Betonboote von verschiedenen Hochschulen erwartet. Bei der Konstruktion sind strenge Richtlinien einzuhalten. Die Kanus der ETH nutzen die erlaubten Masse von 6 Metern maximaler Länge und 70 Zentimetern minimaler Breite exakt aus. In der Wettkampfklasse gilt es einen Parcours aus einer Slalomstrecke und einem geraden Teil in kürzester Zeit zu meistern. Nur ein optimaler Kompromiss aus Schnelligkeit, Wendigkeit und Stabilität führt beim Kanubau zum Sieg.

Ein Betonkanu ensteht: Die ETH-Bauingenieure an der Arbeit.

Das Betonkanu "Flüügegwicht" wird von der ETH-Studentin und Kanutin Alexa Stähli getauft.

Mit Teamwork zum Erfolg

Das Team HelvETHia besteht aus 17 BauingenieurstudentInnen, einer Geomatik- und einer Architekturstudentin(2) .. An der Regatta werden Marius Ammann und Samuel Gerber für das Herrenteam antreten. Beide spielen Kanupolo in der Schweizer Nationalmannschaft. An der Bootstaufe lenkten Marius Ammann und Ladina Steiner das Kanu „Rageetä“ sicher um die Hafenanlage. Dies war auch notwendig, da die Leichtbauweise auf Kosten der Stabilität geht. Das zweite Kanu „Flüügegwicht“ macht seinem Namen alle Ehre. Es ist trotz der Betonkontruktion so sensibel, dass es für die Regatta noch geschont wurde.

Geheimniskrämerei

Das genaue Gewicht der Kanus wird aus Konkurrenzgründen noch geheim gehalten, sie sind aber noch leichter als ihr Vorgänger. Die Stromlinienform der Kanus gibt ein Spanntengerüst aus Holz vor, welches in der Mitte eine U-Form aufweist und sich zu beiden Enden in eine V-Form verjüngt. Für den Bau der Schalung wurde konnte dieses Jahr der Fräsroboter des Architekturdepartements eingesetzt werden, welcher die Spannten millimetergenau zurechtfräst. Das geringe Gewicht wird durch eine Leichtbetonwand mit einer Stärke von lediglich drei Millimetern erzielt. Diese Wände bestehen aus Schichten einer speziellen, wasserdichten Betonmischung und Glasfasermatten als Bewehrung. Um das optische Erscheinungsbild attraktiver zu gestalten, wurden der Mischung ockerrote Farbpigmente beigefügt. Anstelle von Kies wird in der Betonmischung das Blähungsgranulat Liaver verwendet, welches aus Altglas hergestellt wird und die Leichtbauweise überhaupt ermöglicht. Die genaue Zusammensetzung der Mischung bleibt jedoch das Geheimnis der Konstrukteure.

Footnotes:
(1 Vgl. "ETH Life"-Artikel " Welcome Tomorrow" schwimmt: www.ethlife.ethz.ch/articles/tages/Betonkanu.html
(2 Lenkungsausschuss: Prof .Thomas Vogel, Institut für Baustatik und Konstruktion (IBK), Prof. Dr. Jan van Mier, Insitut für Baustoffe (IfB), Sacha Menz, Institut für Hochbautechnik (HBT)


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