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Rubrik: Tagesberichte

Jahresmedienkonferenz der ETH Zürich
ETH will weiter wachsen

Published: 16.05.2007 06:00
Modified: 15.05.2007 17:45
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Die ETH Zürich wächst kontinuierlich, ist wissenschaftlich fit und ist hierzulande als Hochschule führend. Diese gute Ausgangslage will sie in Zukunft ausbauen, vor allem in qualitativer Hinsicht. Das zeigte die Jahresbilanz, welche die Schulleitung gestern der Öffentlichkeit vorstellte



Peter Rüegg (mailto:peter.rueegg@cc.ethz.ch)

Die ETH hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Die Zahlen der Studierenden und Doktorierenden sind weiter angestiegen. Die Bolognareform ist weitgehend vollzogen, und auch der Technologietransfer mit Firmengründungen und Patentanmeldungen ist besser als in den Vorjahren. Das war der positive Tenor an der gestrigen Jahresmedienkonferenz der Schulleitung.

Schneller Doktor werden

Zu Beginn des Wintersemesters 2006/2007 waren an der ETH 13'412 Studierende eingeschrieben, davon rund 2'800 Doktorandinnen und Doktoranden, von denen wiederum 770 Neueintritte sind. Das ist ein neuer Rekord und belegt gemäss Rektor und Präsident a.i., Konrad Osterwalder, die grosse Attraktivität und das Renommée der ETH Zürich. Das Studienangebot ist nach Abschluss der Bolognareform attraktiv: Studierende können mittlerweile aus 24 Bachelor- und 26 Masterstudiengängen auswählen. Nun steht der Aufbau der ETH Graduate Schools an, was die Attraktivität der ETH für Doktorierende weiter steigern soll, sagte Osterwalder gestern vor den Medien. Neu ist, dass Nachwuchstalente ein Doktorat schon dann beginnen können, wenn sie das Masterstudium noch nicht abgeschlossen haben. Auf diesem „fast track“ können sie rascher ihre akademische oder berufliche Karriere verfolgen. Doktorierende können dank den Schools massgeschneidert betreut werden und Studierende von verschiedenen Disziplinen werden untereinander vernetzt.

Als eindrücklichen Beweis für die Lebendigkeit der Schule bezeichnete Konrad Osterwalder die zahlreichen Berufungen, die er in seiner bisherigen halbjährigen Amtszeit als Präsident a.i. vornehmen konnte, immerhin 19. Fünf Ernennungen stehen unmittelbar bevor. Zudem laufen elf Verhandlungen und 20 Professuren sind ausgeschrieben.

Hauptsorge Führungnachwuchs

Zu den Hauptsorgen zählte der Rektor die Suche nach geeigneten Führungskräften für die Schulleitung – das Präsidenten- und Rektorenamt werden gleichzeitig zu besetzen sein – sowie die Budgetierung. Die Finanzierungsmechanismen dürften sich nicht zum Nachteil der ETH Zürich entwickeln, sagte er. Die ETH müsse zudem eine gewisses Mass an Autonomie haben, und die Politik, deren Einfluss sehr gross sei, dürfe sich nicht ins operative Geschäft einmischen. „Wir sind allerdings von Volk und Politik gewollt, und ohne politischen Willen gibt es die ETH nicht“, so Osterwalder.

International gut im Rennen

Die ETH kann sich international sehen lassen, betonte der Rektor. National stehe die ETH weiterhin an der Spitze, in Europa liege sie gemäss Shanghai Ranking an fünfter Stelle, weltweit auf Rang 27. Noch immer bildet die ETH am meisten Spitzenkräfte für die Wirtschaft aus, immerhin 29 Prozent der Topmanager in Schweizer Unternehmen haben einen ETH-Abschluss.


Neue Dachkampagne ETH am Puls - Technologie und Gesundheit

Die ETH ist zwar 83 Prozent der Leute in der Deutschschweiz ein Begriff, kaum jemand kann jedoch konkret nennen, was an der ETH erforscht wird. Wenige bringen die Hochschule mit dem Ingenieurwesen in Verbindung. Dass die ETH Zürich eine lange Tradition in der medizinischen Forschung hat, ist hingegen unbekannt. Die ETH-Forschung deckt jedoch ein Spektrum ab, das von der Entwicklung Bild gebender Verfahren für die Medizin bis hin zur Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika oder Wirkstoffen für die Pharmazeutische Industrie reicht. Die ETH Zürich startet deshalb die Informationskampagne „ETH am Puls – Gesundheit und Technologie“, um die Bevölkerung auf die medizinisch orientierte Forschung an der ETH aufmerksam zu machen und ihr ein Bild zu vermitteln, wie die Hochburg der Ingenieure die moderne Medizin geprägt hat und weiterhin prägen wird. Die nächste Ausgabe von "ETH Globe" ist ganz diesem Thema gewidmet. Zudem werden eine Reihe von Veranstaltungen im Rahmen dieser Kampagne durchgeführt, etwa Treffpunkt Science City oder eine Researcher’s Night.


Rektor und Präsident a.i. Konrad Osterwalder, VP Forschung Dimos Poulikakos, VP Planung und Logistik Gerhard Schmitt und Ralph Müller, Professor für Bioengenineering an der gestrigen Jahresmedienkonferenz.

Trotz starker internationaler Präsenz konnte sich die ETH in den vergangenen Jahren auch regional und lokal besser verankern, sagte der Vizepräsident Planung und Logistik, Gerhard Schmitt. Ein wichtiges Projekt sei die „Wissenschaftsregion Zürich“, das die ETH zusammen mit dem Kanton, der Stadt, der Universität und dem Universitätsspital umsetzt. Für Schmitt ist das Projekt "Science City" wichtig für die regionale Verankerung. Science City sei Knotenpunkt von Wissenschaft, Wirtschaft und Bevölkerung. Und mit dem Aufbau der „Life Science Platform“ nehme sich die ETH der Herausforderungen an, die in einer älter werdenden Gesellschaft auf das Gesundheitssystem zukommen. Ein weiterer Meilenstein in Science City ist der Bau des neuen Sport Centers, das im kommenden Jahr eingeweiht wird. Es soll nicht nur den Bewegungs- und Sportwissenschaften eine hervorragende Infrastruktur bieten, sondern auch Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Bewohnern der umliegenden Quartiere. Die ETH übernimmt zudem die Führung bei der Entwicklung eines neuen globalen Standards für die Errichtung von nachhaltigen Universitätsstandorten. „Mehrere 100 neue Universitätsstandorte sind weltweit geplant“, betonte Schmitt. Da sei es wichtig, dass schon zu Beginn Nachhaltigkeitsstandards definiert würden. Die ETH selbst halbiert in den nächsten zehn Jahren dank ihrer Strategie den CO2-Ausstoss von Science City.

Wieder mehr Patente und Spin-Offs

Der Vizepräsident Forschung, Dimos Poulikakos, sagte, dass die ETH weltweit für ihre herausragende Forschung bekannt sei und als einzige kontinentaleuropäische Einrichtung zu den 10 weltbesten Forschungsuniversitäten gehöre. Auch der Technologietransfer dürfe sich im internationalen Vergleich sehen lassen. 87 Erfindungen und 84 Patente sind im letzten Jahr an der ETH erarbeitet worden. Zu den wichtigen Erfindungen zählt Poulikakos eine neue Diagnosemethode, um Milzbrand-Erreger zu erkennen.

Zudem gingen 16 Spin-off-Firmen aus dem Schoss der ETH Zürich hervor, 7 mehr als im Jahr zuvor. Im laufenden Jahr sind es bereits deren 13. Der ETH-Spin-off Flisom AG erhielt zudem am World Economic Forum als erster Schweizer Unternehmen gar die Auszeichnung „Technology Pioneer“. Flisom stellt Solarzellen auf einer flexiblen Kunststofffolie her und hält den Weltrekord für den Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Solar- in elektrische Energie.

Interdisziplinäre Projekte gefördert

Indes ist klar, dass sich die Forscherinnen und Forscher untereinander immer stärker vernetzen müssen, um die Herausforderungen von grossen Forschungsprojekten meistern zu können. So hat die ETH Zürich in den vergangenen drei Jahren acht Kompetenzzentren gegründet und beteiligt sich an weiteren Kompetenzzentren des ETH-Bereichs oder zusammen mit anderen Universitäten. Eines dieser ETH-Kompetenzzentren ist der Bioengineering Cluster (BEC), an welchem 39 ETH-Professuren beteiligt sind. Leiter des Zentrums ist Professor Ralph Müller, der das BEC und seine Tätigkeit als Beispiel für interdisziplinäre Forschung an der Medienkonferenz vorstellte.

Im Rahmen eines Fächer und Universitäten übergreifenden Projekts ist es seiner Gruppe geglückt, Knochenstammzellen von Erwachsenen zu gewinnen, die wiederum eingesetzt werden, um neuen Knochen zu züchten. Eindrücklich zeigte Müller, wie sich im Laufe von mehreren Wochen Knochenzellen auf einem Trägermaterial anhäufen und organisieren. Mit diesem Vorgehen kann Knochengewebe massgeschneidert in ausreichender Menge hergestellt werden. Dieses Projekt ist allerdings nur möglich durch die Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen sowohl der Natur- als auch der Ingenieurwissenschaften. Die Wirtschaft ist am Verfahren interessiert, da sie sich wie die Forschung eine Reduktion der Tierversuche beim Test von neuen Medikamenten gegen Osteoporose und anderen Knochenkrankheiten erhofft.


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