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Rubrik: Tagesberichte

"Polymesse": Einstiegswege ins Berufsleben
Willkommene ETHler

Published: 11.05.2006 06:00
Modified: 25.08.2006 11:55
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An der bis heute Donnerstag an der ETH stattfindenden „Polymesse“ werden den Studierenden von rund 100 Firmen Wege für den Einstieg in die Berufswelt aufgezeigt. Dank ihrer Problemlösungskompetenz haben ETH-Absolventinnen und -Absolventen auch ohne spezifische Vorkenntnisse gute Chancen für einen Einstieg in die Welt der Wirtschaft. Zwei Beispiele aus der Unternehmensberatung.



Norbert Staub (mailto:norbert.staub@sl.ethz.ch)

„Wir arbeiten hart, aber es gibt auch Verschnaufpausen, in denen wir uns erholen und unsere Erfolge feiern“, sagt Urs Mosimann. Er vertrat die Unternehmensberatung Mercer Management Consulting im Rahmen der kürzlich an der ETH veranstalteten Eventreihe „Polyvortrag“, wo sich Firmen ETH-Studierenden als zukünftige Arbeitgeber vorstellten. Dem selben Zweck dient die bis heute Donnerstag laufende grosse "Polymesse" im Hauptgebäude der ETH (1) . Mosimann (34) kennt die Hochschule: Von Haus aus ist er ein studierter ETH-Bauingenieur.

Test auf Herz und Nieren

Das Zürcher Büro ist Teil von Mercer Inc., New York, einer in 40 Ländern aktiven Unternehmensberatung. Die Auftraggeber stammen unter anderem aus der Automobilindustrie, der Telekommunikation, der Fertigungsindustrie und dem Maschinenbau, dem Detailhandel und der Finanzindustrie. „Wir haben viel mehr Auftragsanfragen als zu bewältigen sind und stellen laufend Berater und Praktikanten ein“, sagt Mosimann, der in Zürich für das Recruiting zuständig ist.

Allerdings ist das Bewerbungsverfahren bei dieser Firma eine echte Hürde. Wer es im standardisierten Assessment bis zum sogenannten „Super Friday“ schafft, wird in München einem Interviewmarathon von fünf Gesprächen unterzogen. Er oder sie weiss dann sofort, ob es für ein Angebot zum Einstieg reicht oder nicht. Zentraler Bestandteil dieser Interviews bilden so genannte „Cases“. Gefragt ist hierbei ein schnelles Erfassen und Lösen von konkreten Problemstellungen im Geschäftsalltag von Unternehmen und somit die Fähigkeit zu strukturieren, zu analysieren, die richtigen Fragen zu stellen und sich präzise ausdrücken zu können.

ETH-Ausbildung als solide Basis

Ein Berater bei Mercer müsse eine starke Affinität zu Zahlen und Daten haben, so Mosimann – womit wir bei der Motivation sind, warum die ETH für eine Beratungsfirma ein interessantes Rekrutierungsfeld darstellt, auch wenn Wirtschafts-Know-how in der Regel nicht zum Kern eines ETH-Studiums zählt. „Es ist ein Gesamtbild, das wir bei ETH-Absolventen einfach häufiger vorfinden als anderswo“, erklärt Mosimann. „Hier lernt man, unterschiedlichste und komplexe Probleme strukturiert anzugehen und zielgerichtet zu lösen.“ Welche Fächer jemand studiert hat, sei dabei nicht entscheidend. Einsteiger würden in einem umfassenden Trainingsprogramm geschult. „Daneben schreiben wir das Prinzip 'learning by doing’ gross“.

Mosimann weiss, wovon er spricht. Als ETH-Student war er selbst über eine Unternehmensmesse am Hönggerberg mit seinem heutigen Beruf in Kontakt gekommen. Zuvor war auch für ihn diese Branche ein Buch mit sieben Siegeln.

Brücke zwischen Studium und Wirtschaft: Die bis und mit heute Donnerstag stattfindende Polymesse, organisiert von ETH-Studierenden.

Steter Ernstfall

Sei es ein so umfassendes Projekt wie der Vergleich eines gesamten Unternehmens mit dessen Wettbewerbern, wo erst einmal relevante Themen und Messgrössen bestimmt und herausgefiltert werden müssen, oder sei es die Frage nach einer Preisstrategie im Einzelhandel, in welche ebenfalls zahlreiche Faktoren einwirken: „Wer an der ETH studiert hat, kann Zusammenhänge zwischen verschiedenen Einflussfaktoren und Messgrössen herstellen“, findet Urs Mosimann.

Ein ETH-Spezifikum sei zudem die Schnelligkeit, mit welchem ein Studium üblicherweise beendet sei: „Unsere Analysten sind in der Regel deutlich unter 30.“ Es gebe natürlich schon auch Umstellungsschwierigkeiten, das habe er selbst gespürt: „An einer Hochschule lebt man in der Gewissheit, eine Prüfung wiederholen, eine Übung korrigieren zu können. In der Wirtschaft, besonders im Kontakt mit hohen und höchsten Chargen, muss ein Job von Anfang an perfekt erledigt werden.“

Früher Forschungsleiter, heute Berater

Einen etwas anderen Weg als Urs Mosimann ist Nordal Cavadini gegangen. Der 32-jährige Tessiner ist promovierter ETH-Physiker und hat zuletzt am Paul Scherrer Institut mehrere Forschungsprojekte geleitet. Dort beschäftigte er sich mit so grundlegenden Phänomenen wie der Bose-Einstein-Kondensation, einem Zustand jenseits klassischer physikalischer Gesetze, in welchen Materie bei sehr tiefen Temperaturen übergeht. Heute ist Cavadini ebenfalls Berater bei Mercer.

Die Forscherexistenz sieht er als abgeschlossene Phase. „Physiker ist ja kein Beruf, den man einfach so ergreifen kann“, meint Cavadini. „Es braucht in der Forschung gute Projekte, Stellen und den Willen, sich langfristig in einem Berufsfeld mit einer begrenzten Anzahl von möglichen Entwicklungswegen zu bewegen.“ Am Consulting fasziniere ihn die enorme Themenvielfalt und die Tatsache, dass die intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Problem sehr rasch in handfeste Resultate münde. - Doch bedauert er ihn nicht, den Abschied von den fundamentalen Fragen, die er als Physiker zu beantworten versuchte? „Je länger man von der Forschung weg ist, umso schwieriger wird ein Wiedereinstieg. Bereits nach einigen Jahren Beratung eröffnen sich neue, ebenfalls hoch interessante Perspektiven.“

Footnotes:
(1 Die unter "Polycareer" zusammengefassten Kontakt-Anlässe zwischen ETH-Studierenden und Berufswelt werden von Forum&Contact (www.recruiting.ch/uns/fc.php?n=8) (einer Kommission des VSETH) und ETH juniors (www.juniors.ethz.ch/) , dem offiziellen, von Studierenden geführten Junior-Unternehmen der ETH Zürich organisiert. Mehr dazu unter: www.recruiting.ch. An der Polymesse sind jeweils rund 100 europäische Unternehmen vertreten.


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