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Rubrik: Tagesberichte

Roundtablegespräch zur nachhaltigen Stromversorgung
Wie viel Kernenergie braucht die Welt?

Published: 09.03.2007 06:00
Modified: 09.03.2007 09:20
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Neue Szenarien des Energiebedarfs, die Sorge vor einer möglichen Stromlücke und die globale Klimaveränderung intensivieren die Diskussion: Wie muss eine nachhaltige Stromversorgung aussehen und welche Rolle soll die Kernenergie dabei spielen? Ein Roundtablegespräch (1) zwischen ETH-Experten und Politikvertretern.



Das Gespräch führten Martina Märki (mailto:martina.maerki@sl.ethz.ch) und Conny Schmid

Die Internationale Energieagentur hat kürzlich den World Energy Outlook 2006 veröffentlicht. Was halten Sie von den darin geschilderten Szenarien?

Jochem: Das Referenzszenario hat meines Erachtens den Nachteil, dass die Energievorkommen und der Energieverbrauch sehr hoch angesetzt werden. Das zu Grunde gelegte Wirtschaftswachstum halte ich für zu opti- mistisch. Die Politikvariante dagegen halte ich für zu zögerlich, man könnte in Sachen Energieeffizienz mehr machen.

Hofstetter: Ich kann mich dem anschliessen. Dieser Outlook hat für uns relativ wenig Relevanz. Ein alternatives Szenario muss für mich zwingend die Klimaschutzvorgaben der Klimaforschung berücksichtigen. Das kann ich hier nicht erkennen, denn keines der Szenarien verhindert den Klimakollaps.

Previdoli: Dem möchte ich widersprechen. Ich halte den Bericht für wichtig. Er gibt einen -guten Überblick über die Ausgangslage. Die Botschaft ist ganz klar: Wir verbrauchen zu viel Energie, und wir verpuffen zu viel CO2. Das -Alternativszenario ist aber zu wenig ambitiös. Man könnte durchaus weiter gehen. Doch dann stellt sich die Frage der politischen Durchsetzbarkeit.

Prasser: Für mich ist diese Botschaft klar: Wir haben mehr CO2-Emissionen zu erwarten bei einer gleichzeitigen, längerfristigen Verknappung der Rohstoffe. Wir müssen auf diese Herausforderung antworten. Die Studie zeigt im Alternativszenario deutlich die Option Kernenergie. Nur wenn Kernenergie, regenerative Quellen und effizienter Energieeinsatz gemeinsam eingesetzt werden, gibt es überhaupt eine Chance, die CO2-Emissionen wirksam zu senken.

Horst-Michael Prasser, ordentlicher Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich.

Die Kernenergie als Retterin des Weltklimas? Wie stehen Sie als Umweltschützer dazu, Herr Hofstetter?

Hofstetter: Wir kennen die Realität spätestens seit Tschernobyl. Den Atomkraftvertretern ist es seither nicht gelungen, uns die Kernenergie schmackhaft zu machen. Realistischerweise muss man aber davon ausgehen, dass es einige Länder geben wird, vor allem Schwellenländer, in denen neue Reaktoren gebaut werden. Vom weltweiten Energieverbrauch deckt die Kernenergie heute lediglich 2,5% ab. Die Kernenergie wird die globalen Energieprobleme nicht lösen, weder heute noch in Zukunft.

Prasser: Die Frage ist, ob wir das beruhigend finden sollen. Wir reden jetzt von einer Herausforderung an die Politik. Natürlich muss die Politik auf das Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rücksicht nehmen. Aber ich postuliere, dass die technologischen Fortschritte, die die Kerntechnik gemacht hat, nicht richtig wahrgenommen werden. Wenn wir die wissenschaftlich-technische Seite betrachten, dann ist die Kernenergie nicht identisch mit Tschernobyl. Es ist bekannt, dass wir es mit einem Reaktor zu tun hatten, der schon damals nicht den Auslegungsprinzipien entsprach. Seit Tschernobyl hat sich sehr viel getan im Bereich Sicherheit. Es gibt Optionen, eine Kernschmelze zu verhindern, auch wenn mehr Sicherheitssysteme ausfallen, als es die Auslegung vorsieht. Wenn das nicht gelingen sollte, gibt es Möglichkeiten, Kernschmelzen im Gebäude zu lokalisieren, und es gibt Optionen, selbst wenn man die Kernschmelze nicht mehr beherrschen kann, so doch deren Auswirkungen zu minimieren. Natürlich ist es Sache des Wählers, zu entscheiden. Aber die Kerntechnik steht bereit, und sie hat starke Optionen zu bieten.

Jochem: Ich stimme Ihnen da zu. Wir können heute wahrscheinlich das Betriebsrisiko von neuen Reaktoren ausschliessen. Das Betriebsrisiko ist jedoch gar nicht mehr das Problem, sondern die Proliferation. Denken Sie an Pakistan, Indien, Israel, die sich schon selbständig gemacht haben. Jetzt kommen der Iran und Nordkorea dazu. Die Frage ist doch, wie sicher die internationale Absicherung gegen ein politisches Durchdrehen von solchen Ländern ist, die sich inzwischen Atomwaffen zugelegt haben beziehungsweise zulegen könnten.

Hofstetter: Solange Privatversicherer nicht sämtliche Risiken der Kernenergie versichern, haben wir offenbar ein Problem. Das ist ja mit ein Grund, warum nur in wenigen Ländern Kernenergieanlagen gebaut werden. Weil es dazu einen starken Staat braucht, der dieses zusätzliche Risiko übernehmen will und kann. Und wir tun gut daran, dafür zu sorgen, dass es nur in solchen Ländern zum Bau von Kernenergieanlagen kommen kann. Bei der Technikdiskussion dürfen wir nicht vergessen, dass die bisherigen Reaktorunfälle immer auf menschliches Versagen zurückzuführen waren. Die Technik mag besser werden, der Mensch nicht. Zum Thema Nuklearwaffen möchte ich Al Gore zitieren, der sagte: ‹In den acht Jahren, die ich im Weissen Haus verbrachte, war jedes einzelne Proliferationsproblem bei Kernwaffen, das ich erlebt habe, mit einem Reaktorprogramm verknüpft.

Prasser: Ich sehe nur eine bedingte Verknüpfung von Nuklearwaffen mit der Kernenergie. Die Nuklearwaffen sind weltweit mit Anreicherungsanlagen und Reaktoren gebaut worden, die nicht der Energienutzung dienten. Wenn eine Regierung entscheidet, eine Nuklearwaffe anzustreben, dann wird diese Regierung technische Wege und Möglichkeiten finden. Ich finde es sehr bedenklich, wenn eine Zivilisation sich dadurch einer Energiequelle berauben lässt, die für ihr Überleben wichtig sein könnte.

Previdoli: Ich möchte grundsätzlich dafür plädieren, einzelne Energieträger nicht gegeneinander auszuspielen. Wir müssen auf allen Wegen vorwärtsgehen und alle Energieträger ausschöpfen, die sich anbieten. Die wichtigste Massnahme ist meines Erachtens ganz klar: Wir müssen die Energieeffizienz in allen Bereichen erhöhen. Dort haben wir ein grosses wirtschaftliches Potenzial. Dann müssen wir zusehen, dass wir die erneuerbaren Energien irgendwie finanzieren können. Die Lösungen müssen ökologisch, sozial und politisch vertretbar sein. Wenn das gegeben ist und auch das Entsorgungsproblem gelöst ist, dann ist auch die Kernenergie eine Option. Der Wähler soll auf jeden Fall die Möglichkeit haben, diese Option auch zu wählen.

Jochem: Die zentrale Frage ist doch, welche Optionen habe ich, um CO2 zu vermeiden, und mit welchen Kosten.

Wenn Sie, Herr Jochem, sagen, Kernenergie sei dafür nicht die beste Option, welche Option empfehlen Sie dann und wie realistisch ist das?

Jochem: Die Kernenergie macht etwa 5% der Primärenergie aus, und es braucht etwa 50 Jahre, bis ein Primärenergieträger seinen maximalen Marktanteil erreicht, der bei der Kernenergie vielleicht bei 20% liegt. Das sind bestenfalls 0,3 Prozentpunkte CO2-Minderung pro Jahr. Damit leistet die Kernenergie nur einen relativ kleinen Beitrag zur Lösung des CO2-Problems. Mit Massnahmen zur Energieeffizienz können wir um ein Vielfaches schneller sein als die Kernenergie, hier schaffen wir jährlich ein bis zwei Prozent CO2-Minderung pro Jahr. Das heisst, was immer die Menschheit macht, der Hauptpartner ist die Energieeffizienz.

Previdoli: Das geht übrigens auch aus dem -Alternativszenario des IEA deutlich hervor. Dort werden 10% CO2-Reduktionspotenzial für die Kernenergie angegeben, 12% bei den erneuerbaren Energien, 13% durch effizientere Energiebereitstellung, 29% für die Effizienz im Strombereich und 36% bei der Effizienz-erhöhung bei der Nutzung fossiler Energieträger. Also, wir sehen: Wir holen insgesamt 65% durch Effizienzmassnahmen.

Prasser: Ich denke trotzdem, dass diejenigen Nationen, die technologisch und ökonomisch stark sind, eine besondere Verantwortung -haben, die Kernenergie zu nutzen. Die Kernenergie ist eine sehr investitionsintensive Technologie, sie ist heute aber weniger investitionsintensiv wie die Erneuerbaren. Beispielsweise braucht die Windkraft bezogen auf die jährlich produzierte Energiemenge doppelt so hohe Investitionen wie die Kernkraft. Im Moment ist es so, dass die Kernkraft in den entwickelten Ländern wie der Schweiz zu einer kostengünstigen Stromversorgung beiträgt. Und in der Umweltverträglichkeit liegt sie etwa auf gleichem Niveau wie Wasserkraft. Bezüglich der Zuwachsraten hängt viel von politischen Entscheidungen ab. Vergessen wir nicht, dass ein Land wie Frankreich innerhalb von 30 Jahren seinen Stromsektor praktisch vollständig nuklearisiert hat. Der zweite Gedanke ist die Frage nach dem Sektor Wärmeversorgung. In Verbindung mit Wärmepumpen könnte die Kernenergie mit ein bis zwei Reaktoren einen bedeutenden Teil dieses Bedarfs decken. Hier ist die Schweiz schon heute weltweit führend.

Jochem: Aber die Diskussion ist doch schon viel weiter. Die technischen Kollegen hier von der ETH sagen, wir bauen in Zukunft das Passivhaus. Und wenn sie den Passivhausbau in Deutschland anschauen, ist es jetzt eigentlich nur noch die Frage, wie schnell Neubauten und Renova-tionen voranschreiten. Nachher wird Strom im Wesentlichen nur für die Lüftungsanlage gebraucht.

Eberhard Jochem, ordentlicher Professor für Nationalökonomie und Energiewirtschaft an der ETH Zürich

Denken wir falsch, wenn wir mit einer drohenden Stromlücke argumentieren?

Jochem: In der Schweiz wird der Strombedarf zu 60% durch Wasserkraft und zu 35% durch Kernenergie gedeckt. Das sind alles langfris-tige Investitionen von mindestens 50 bis hundert Jahren. Nun könnte Folgendes passieren: Zurzeit hat die Schweiz einen steigenden Strombedarf. Jetzt reinvestieren wir in zwei oder drei Kernkraftwerke in der Schweiz. Aber gleichzeitig machen wir enorme Fortschritte in der Energieeffizienz. Wenn die Industriestaaten irgendwann die 2000-Watt-Gesellschaft (2) realisieren, so gegen das Jahr 2070 oder 2080, dann hätten wir in Europa die Kernkraftwerkskapazitäten dastehen, die man nicht voll benötigen würde.

Prasser: Ich sehe nicht, dass wir eines Tages eine Situation haben werden, in der der Strombedarf so weit zurück geht, dass ein Investitionsrückfluss in der Kernenergie nicht mehr gegeben ist. Ich denke aber, es herrscht Konsens darüber, dass wir in eine Stromlücke hineinlaufen, weltweit sowieso, aber auch europaweit. Das Ausweichen der Energieversorger auf fossile Quellen wie etwa Gas oder Kohle findet nicht ohne Grund statt. Sie haben nicht die Perspektive, die gesamte Stromlücke regenerativ zu füllen, sonst würden sie nicht ausweichen. Und sie haben dort auch ein Investi-tionsproblem. Sie investieren lieber in fossile Kraftwerke, wenn die Politik nicht die richtigen Rahmenbedingungen setzt.

Hofstetter: Und genau da unternimmt zum Beispiel die EU mit dem Effizienzaktionsplan entsprechende Schritte. Die Erhöhung der -Energieeffizienz ist das wichtigste Instrument und führt am schnellsten zum Erfolg. Die Energiebereitstellung durch erneuerbare Energien leistet den zweitgrössten Beitrag. Wird ausserdem die Abspaltung und langfristige Speicherung von CO2 technisch machbar, könnte sie gemäss Plänen der EU schon bald Vorschrift werden und bereits 2020 einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissisonen leisten. Diese Option hätte natürlich einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von fossilen Kraftwerken, was indirekt auch wieder die Energieeffizienz und die erneuerbaren Energien voranbringt.

Prasser: Wir haben heute eine Situation, in der die Kohle gesamtökonomisch die Nase vorne hat, wenn man die indirekten Kosten nicht mitrechnet. Die Kohlekilowattstunde aus Steinkohle ist geringfügig kostengünstiger als die Kilowattstunde aus Kernenergie. Dieses Verhältnis wird durch die Sequestrierung (Abspaltung und Speicherung von CO2, Anm.d.Red.) umgekehrt. Wir laufen in eine Situation hinein, in der die Ersatzkapazitäten, welche die Stromlücke europaweit füllen sollen, alle teurer sind als die Kernenergie. Jetzt sagen Sie, in 20 oder 30 Jahren werden wir den Kapitalrückfluss für ein neues Kernkraftwerk nicht mehr kriegen. Das widerspricht sich eklatant.

Jochem: Sie vermischen zwei Dinge. Einmal ist da die Frage der Wahl, welche Technologie man zur Stromerzeugung nimmt. Man kann sich schon überlegen, ob man den Strombedarf mit teurer Kohle und teuren erneuerbaren Energieträgern decken will, um auf gar keinen Fall ein Proliferationsrisiko einzugehen. Das ist eine subjektive Entscheidung der Bevölkerung. Ausserdem hat man ein dynamisches Problem. Das hat mit der Nachfrage und der dezentralen Erzeugung zu tun. Wenn die politischen Kräfte endlich mal in der Lage wären, die Effizienzpotenziale auszunutzen, dann gehen die Industriestaaten irgendwann durch ein Bedarfsmaximum und danach wird die Kurve flach. Die Wahl der Technologie – einschliesslich der dezentralen Stromerzeugung – ist das eine, die Dynamik der Nachfrage das andere.

Previdoli: Genau, und man darf die Versorgungslücke nicht komplett mit Grosstechnologien decken, denn greifen die Effizienzanstrengungen, hätten wir nach ein paar Jahren zu viel Kapazität.

Jochem: Und deshalb muss die Stromwirtschaft genau überlegen, ob und wieviel Kernenergie wirklich gebraucht wird vor dem Hintergrund der Vision einer 2000-Watt- Gesellschaft im Jahr 2080. Man braucht dann vielleicht eben nur ein Kraftwerk und nicht zwei. Dass wir eine Kombination verschiedener Technologien haben werden, ist ja unbestritten.

Sie setzen auf das Pferd Energieeffizienz. Das ist ja schön und gut, doch sind Massnahmen in dem Rahmen, wie sie nötig wären, auch politisch durchsetzbar?

Jochem: Das ist ein ganz zentraler Punkt. Die Effizienz hat ein Problem, das die erneuerbaren Energieträger nicht haben: Es kümmert sich kaum ein Mensch um sie. Die Effizienz hat keine Lobby. Alle anderen Energieträger sind politisch akzeptabel, weil sie medial sexy sind. Energieeffizienz lässt sich nicht über die Medien transportieren und ist überhaupt nicht sexy.

Previdoli: Ich teile diese Meinung. Langsam fängt es aber doch an: Die Internationale Energiebehörde setzt die Energieeffizienz als Schwerpunkt, die G-8 haben Energieeffizienz als das Megathema deklariert, Deutschland will während seiner EU-Präsidentschaft bei der Energieeffizienz vorwärtsmachen. Ich glaube, der Moment ist jetzt gut, um eine Lobby aufzubauen.

Hofstetter: Ich denke dennoch, dass es am politischen Willen mangelt. Das hat vor allem mit fehlenden Interessensvertretern für die Energieeffizienz in der Politik zu tun. Es gibt im Bereich Effizienz kaum Grossanlagen mit hohem Geldumsatz. Das heisst, es fehlen Verwaltungsratsmandate, die mit Leuten besetzt werden können, welche an den Machthebeln der Politik sitzen.

Jochem: Das Ganze ist ja noch etwas komplexer. Die heutigen Effizienzproduzenten stellen zugleich auch Energieangebotstechnologien her. Wenn nun die grosse Kundschaft die Effizienzangebote nicht nachfragt, so halten sich diese Produzenten natürlich bedeckt.

Previdoli: Ich denke, ein ganz wichtiges Instrument ist die Energieetikette, womit der Konsument jetzt endlich einmal Informationen erhält, ob ein Gerät effizient ist oder nicht. Wenn dies nicht reicht, müsste man Verbrauchsvorschriften erlassen.

Prasser: Sie können den Leuten natürlich vorschreiben, dass man in der Schweiz nur noch Autos mit 3-Liter-Verbrauch kaufen kann. Das kann funktionieren, es kann aber auch nicht funktionieren. Nicht funktionieren bedeutet, dass Unzufriedenheit aufkommt, die sich in politischen Entscheidungen niederschlägt.

Jochem: Langfristig müssen wir die CO2-Emissionen in Industriestaaten um mindestens 80% senken. Da reden wir nicht vom 3-Liter-Auto, sondern vom 2- oder vom 1-Liter-Auto. Sie sagen jetzt, das kriegen wir politisch nicht durch. Doch weshalb? Weil sich der Autobesitzer über den Status definiert, über Präferenzen seiner sozialen Gruppe, er strebt nach Anerkennung. Ziel müsste nun sein, die Wertesysteme der die Werte bestimmenden gesellschaftlichen Schichten zu verändern. Sie müssten sagen können, es ist schick, ein Auto zu haben, das maximal 3 Liter verbraucht und das im Grunde noch so gut daherkommt wie ein Bentley. Man muss jene Wertesysteme verändern, die derzeit ein nicht nachhaltiges Konsummuster erzeugen, obwohl es technologisch möglich wäre.

Previdoli: Der Vorteil beim Auto ist, dass es sichtbar ist. Bei den meisten Energieeffizienzbereichen fehlt die Sichtbarkeit.

Hofstetter: Richtig. Wir haben keine emotionale Bindung zu Strom. Strom ist kein Statussymbol, ausser, er wird auf dem eigenen Dach sichtbar produziert. Ich denke, das ist einer der ganz wichtigen Gründe dafür, dass Sonnen-energie trotz ökonomischen Hindernissen ein erstaunliches Potenzial hat. Sie bietet die Möglichkeit, tatsächlich Farbe zu bekennen.


Die Teilnehmer

Eberhard Jochem ist ordentlicher Professor für Nationalökonomie und Energiewirtschaft an der ETH Zürich. Er ist Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der deutschen Bundesregierung.

Patrick Hofstetter ist Leiter der Abteilung Klima & Energie beim World Wildlife Fund (WWF) Schweiz. Er studierte Maschinenbau an der ETH, wo er auch als Umweltnaturwissenschaftler promovierte.

Horst-Michael Prasser ist seit April 2006 ordentlicher Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich. Er arbeitet auf dem Gebiet der Sicherheit kerntechnischer Anlagen mit Schwerpunkt Thermofluiddynamik.

Pascal Previdoli ist Leiter der Abteilung Internationales, Strategie und Politik beim Schweizerischen Bundesamt für Energie (BfE). Er studierte Wirtschaftswissenschaften, promovierte in Volkswirtschaft und publizierte unter anderem zum Thema Energie, Wirtschaft und Nachhaltigkeit.


References:
(1) Das Gespräch erschien in der Februarausgabe von ETH Globe: www.cc.ethz.ch/news/ethglobe
(2) Mehr Informationen zur 2000-Watt-Gesellschaft: www.novatlantis.ch


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