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Rubrik: News
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Publiziert: 04.09.2006 06:00

Ökonomentag an der ETH zu Rolle und Einfluss der Neuen Medien
Aus einer Hand zum Erfolg

(pd/nst) An dem, was sich heute schon abzeichnet, führe bald kein Weg mehr vorbei: Im Kampf um die Medienkonsumenten würden digitale Technologien zum entscheidenden Faktor werden, so der Tenor am siebenten Schweizer Ökonomentag, der am vergangenen Freitag im Audimax der ETH stattfand und die „Zukunft der Kommunikation“ behandelte. Der von 240 Teilnehmern besuchte Anlass wurde dieses Jahr zum zweiten Mal gemeinsam von allen vier Alumni-Organisationen ökonomischer Fachrichtungen der Universität Zürich mit den ETH Alumni veranstaltet.

Triple Play und Inhaltsqualität

Voraussetzung für den Erfolg eines Medienanbieters werde nicht nur die Bündelung von Telefonie, Fernsehen und Internet über einen einzigen Anschluss sein (Triple Play), sondern zunehmend das Angebot an Inhalten und Dienstleistungen auf der damit verbundenen Plattform, prophezeite Frank Boller, einer der beiden Referenten und Geschäftsleitungsmitglied des Kabelnetzbetreibers Cablecom. Dabei habe sich jedoch die exklusive Verbindung von Content-Providern und Distributionskanälen la AOL/Time Warner nicht bewährt, erläuterte er. Inhalte und Distributionskanäle gingen heute wieder getrennte Wege.

Musiklabels im Gegenwind

Thomas Hess, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des dortigen Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, legte am Beispiel von Musik-Labels und Fernsehsendern dar, dass die digitalen Technologien vor allem die Content-Intermediation, also die Wertschöpfungsstufe zwischen Erstellung und Konsum, beeinflussen. Konkret sagt er den Musiklabels schwindende Erlöse voraus, weil der Trend weg von Alben hin zu einzelnen Musiktiteln ginge und diese – allen Gegenmassnahmen zum Trotz – zunehmend über Tauschbörsen vertrieben würden. Bei den TV-Sendern ergeben sich nach seiner Auffassung dagegen Gewinnchancen, da die Distribution weiterhin zentral über digitale Plattformen erfolge. „Beide Sparten spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl hochwertiger und zunehmend auch User-generierter Inhalte“, ist Thomas Hess überzeugt.


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Sehen den technologischen Wandels als Motor des Umbruchs in der Medienindustrie: Thomas Hess von der Uni München (l.) und Frank Boller, Geschäftleitungsmitglied bei Cablecom am Ökonomentag an der ETH. Dieser wurde moderiert von Alenka Ambroz. gross

"Neue deutsche Langsamkeit"

Die Referenten waren sich einig, dass das Mediengeschäft lokal bleiben werde. Insofern sei in erster Linie der Bedarf der Schweizer Bevölkerung zu decken – statt möglichst viele globale Dienstleistungen anzubieten, gab Frank Boller zu bedenken. Bezogen auf das technologische Niveau sei der schweizerische Kommunikationsmarkt komfortabel positioniert, sagte er.

Demgegenüber sei die Situation in Deutschland, so der Referent aus München, von einer „neuen Langsamkeit“ geprägt, welche die Politik zu verantworten habe. Obwohl das Monopol der Deutschen Telekom bröckle, sei namentlich die technische Infrastruktur signifikant schlechter als jene der Schweiz.

Trend zum Etablierten

Im wachsenden Dschungel der Inhalte werden die Konsumenten sich für jene Produzenten entscheiden, die für Glaubwürdigkeit und Vertrauen stehen, meinten Hess und Boller übereinstimmend. Einen Vertrauensvorsprung hätten hier grundsätzlich die etablierten Marken, wenn sie die Chance nutzen, ihre Informationsinhalte über verschiedene Kanäle zu verbreiten, betonte Hess. Ein personalisiertes Angebot sei dabei zwar technisch möglich, so Frank Boller, als Massenangebot aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht realistisch. – Diese Diskussion über das zentrale Thema „Neue Medien“ soll unter Einbezug des Publikums in weiteren Veranstaltungen fortgesetzt werden, so die Organisatoren.




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